Nachdem mein Blogbeitrag "Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte" zum Thema LSR in Dingelstädt auf torstenmontag.de innerhalb von gut 2 Monaten zu ca. 800 Lesern und bescheidenen 53 Kommentaren geführt hat, möchte ich die letzten Artikel und Diskussionen der lokalen Presse (TA und TLZ) nutzen, um auch meine Leser im Internet weiter zu informieren. Aus dem Beitrag der TA vom 03.03.2010 sowie dem Beitrag der TLZ vom 27.02.2010 habe ich im Folgenden einige Passagen kopiert und anschließend kommentiert.

Thüringer Allgemeine (TA) 03.03.2010

"…hat sich Landrat Werner Henning Heute persönlich eingeschaltet."

Schön das der Herr Landrat Dr. Henning sich persönlich um die Gesundheit der Bevölkerung kümmert. Kann man das von einem vielbeschäftigten Landrat überhaupt erwarten? Lobenswert, wenn er es entgegen aller Erwartungen doch tut.

"Er fühlt sich von der Bürgerinitiative zu Unrecht angegriffen…"

Schade, ich hätte vielleicht nicht so schnell loben dürfen. Nun geht es doch wieder nur um Persönliches. Wer hat mit wem und was gesagt? Das eigentliche Thema geht mal wieder in der Eichsfelder Politik unter. Ist ja auch nicht so schlimm, wenn es riecht und unsere Gewässer samt den Wählern vergiftet werden. Viel wichtiger ist, dass Zitate richtig gedruckt werden. Da hat es die TLZ besser gemacht, die haben diese Persönlichkeiten gar nicht erst veröffentlicht. Ich nenne das Zensur und das hatten wir meines Wissens schon mal.

"Sterben müssen wir alle."

Nun möchte ich auch noch einmal auf diesem richtig oder falsch zitierten Zitat rumhacken. Meine Antwort: Ja Herr Henning, sterben müssen wir alle. Nur die einen mit Krebs die anderen ohne.

"Es sei unverschämt, zu behaupten, dass er die Ängste um Leib und Leben so abgetan hätte."

Bitte Herr Henning, dann unternehmen Sie endlich was im Falle der LSR und beweisen Sie uns einfach das Gegenteil, wenn Ihnen das Leib und Leben Ihrer Wähler so wichtig ist. Oder ist Ihnen Ihr eigenes im Falle des LSR Umweltskandals doch wichtiger?

"Von ihm (LSR Chef) habe er erwartet, dass er etwas gegen den Gestank tut, verdeutlicht Henning."

Wer von wem etwas zu erwarten hat, ist doch für uns Eichsfelder und betroffene Bürger unerheblich. Fakt ist, irgendwer muss gegen diese Umweltsünden etwas tun und zwar am besten gestern noch. Viele Reden und Hinhaltetechniken á la: "So hab ich das nicht gesagt und gemeint. Ich habe es eigentlich so ausgedrückt." führen zu nichts, im Gegenteil. Derartige Strategien deuten viel eher auf eine eventuelle Kooperation von betroffenen Parteien hin. Man schadet sich im Endeffekt selbst, als sich zu rehabilitieren.

Im Übrigen, es geht nicht nur um den Gestank, viel schlimmer finde ich die ungeklärte Einleitung von belasteten Abwässern, denn, dass trinken wir und unsere Kinder täglich. Der Gestank hingegen ist mal mehr oder weniger wahrzunehmen und durch unterschiedliche Windrichtungen nicht immer gegenwärtig.

"Die Möglichkeiten des Landratsamtes seien begrenzt."

Auch das kann ich nicht nachvollziehen. Wo liegt das Problem, ein unabhängiges Gutachten zur Basis zu nehmen und entsprechend ein Umweltvergehen daraus abzuleiten bzw. diesen Zustand zu beseitigen, was nicht zwangsläufig die Schließung der Anlage nach sich ziehen muss? Wie viele Gutachten wollen wir noch erstellen oder anders: Wie oft muss bewiesen werden, dass Wasser nass ist? So oft bis die Kassen alle sind und die Beteiligten von allein aufhören? Nach dem Motto: "Wer das meiste Geld hat, gewinnt." Das kenne ich auch aus anderen Zeiten und ich weiß auch wer in diesem Fall gewinnen wird. Nur so viel: Die Bürger und Anwohner nicht und das stimmt mich jetzt schon traurig. Macht Politik für die Bürger, so wie es im Wahlkampf versprochen wurde und redet euch nicht immer raus.

"Diese Prüfung finde – und das sei Zufall, so Henning – Mittwoch statt."

Was für ein Zufall. Es wird an einem Schornstein gemessen. Komischer Weise steigt gerade an diesem Tag kein Qualm (Entschuldigen Sie Herr Kellner, Dampf auf. Es wird ja nichts verbrannt, wie ich bei der Besichtigung der Anlage gelernt habe.) auf. Wie kann ein Gutachter ohne aufsteigende Gase eben diese erfassen, messen und anschließend analysieren?

Wochenlang dampft der Schlot, was das Zeug hält. Am Tage der Messung nicht mehr. Wie will man dann eine realitätsnahe Messung begründen, wenn die Realität verfälscht wird?

Thüringer Landeszeitung (TLZ) 27.02.2010

"Auch ein Kanal für das Abwasser wurde zur Zentralen Kläranlage gelegt."

Das finde ich schon beeindruckend, dass die Legung der Abwasseranbindung als Argument verwendet wird. Das sollte selbstverständlich sein und so wie bei jedem anderen Hauseigentümer eine Verpflichtung im Vorfeld zur Baugenehmigung sein.

Sollen wir für die nachträglichen Anschluss dankbar sein? Ich denke, das jahrelang versäumte gehört mit einer Umweltstrafe geahndet, wovon die Wiederherstellung des Schadens in der Natur zu begleichen ist. Wieder versucht man dem Bürger den Spieß um zudrehen und das Defizit und Manko letztlich doch als Bereicherung und Wohltat zu verkaufen.

"Das Problem sei eigentlich gelöst, sagte deshalb Gerald Schneider vom Landkreis der TLZ."

Herr Schneider, Sie haben recht, das Problem ist nur eigentlich gelöst. Dabei liegt die Betonung auf eigentlich. Wer sagt denn in diesem Fall, dass derartig belastete Abwasser überhaupt in der Kläranlage gereinigt und angenommen werden dürfen? Schließlich gehen die gereinigten Gewässer als geklärt wieder in die Flüsse unserer Region. Ich glaube, der Landkreis macht es sich in diesem Fall etwas zu einfach.

"…, dass ein Alkohol gefunden worden ist, welcher zur Herstellung des "Weichmachers DEHP" verwendet wird. Die Untersuchung habe ergeben, … , dass dieser Weichmacher in hoher Konzentration vorhanden ist. Eine Arbeitsgruppe der Europäischen Union hatte diese Verbindung bereits vor etwa 10 Jahren negativ beurteilt."

Wenn ich das lese, gehe ich nicht davon aus, dass der Landkreis und das Umweltamt "…alles unternimmt, um die Werte in Grenzen zu halten." Denn bei diesen Stoffen sind überhaupt keine Grenzwerte zugelassen, da sie schlichtweg verboten sind. Darüber hinaus von einem Unternehmen wie das der LSR überhaupt nicht produziert werden dürften bzw. könnten, da die Stoffe in dem Verarbeitungsprozess weder entstehen noch bei der Zuführung vorhanden sind. Oder sind sie es doch? So die Aussage in einem früheren Artikel der Presse sowie TLZ vom 26.02.2010. Da liegt die Vermutung nahe, dass hier ein wirklicher Umweltskandal vorliegt, niemand jedoch dafür den Hut aufsetzen möchte und keiner zuständig ist.

Appell an die Politik

Nun nochmals meine Bitte als unparteiischer und nicht der Interessengemeinschaft angehöriger Bürger Dingelstädts. Ich denke, dass ich nicht nur für mich schreibe, sondern im Interesse aller Bürger hier vor Ort. Tun Sie uns einen Gefallen und lassen Sie diese politischen Hinhaltetechniken. Hören Sie auf mit Prüfen, es existieren bereits genügend Daten und Beweise. Die Nasen der überwiegenden Bevölkerung Dingelstädts und Kefferhausens können nicht lügen. Das Schadstoffe sowohl in der Luft und besonders im Wasser enthalten sind, hat die unabhängige Probe der IG Dingelstädt gezeigt und eindeutig bewiesen.

Als Bürgervertreter des Eichsfelds erwarte ich vom Landrat, vom Landkreis und vom Umweltamt: "Hören Sie auf mit dem ewigen Führen von Debatten, der Beauftragung von Gutachtern und beginnen Sie mit einer effektiven und sinnvollen Umsetzung einer Lösung. Lassen Sie die Persönlichkeitskrämereien und tun Sie das, was Sie vor der Wahl versprochen haben und immer wieder beteuern. UND ZWAR: "..nehmen Sie die Ängste um Leib und Leben … der Bevölkerung ernst,…" Dann sind wir das Problem, die Debatte und alles was uns alle damit ständig irgendwie belastet ein für alle mal los.

TLZ oder TA – das ist hier auch die Frage

Sehr traurig in diesem Zusammenhang ist die sehr unterschiedliche Berichterstattung der beiden lokalen Zeitungen. Während die Thüringer Allgemeine (TA) auch Zitate und Stellungnahmen von Politikern und Beteiligten in Artikeln veröffentlicht, vermittelt die Thüringer Landeszeitung (TLZ) lediglich Faktenwissen. Die eigentlich interessanten Stellungnahmen und Aussagen werden sehr geschickt und gekonnt vor der Veröffentlichung einer Zensur und Filterung unterzogen. Wenn mir nicht zufällig meine Kollegin die Thüringer Allgemeine mit entsprechenden Artikel vorgelegte hätte, würde ich über die oben beschriebenen und kommentierten Äußerungen des Landrats kein Wissen haben. Ist das in der heutigen Zeit von Internet, Facebook und Twitter überhaupt noch zeitgerecht? Da wo wichtige Informationen in Sekundenschnelle weitergeleitet und ohne Verfälschung und Filterung elektronisch übertragen werden, nimmt sich eine Zeitung das Recht heraus, mir als Leser (Hinweis: Der Leser ist derjenige, der die Zeitung mit fast 300 € pro Jahr bezahlt und somit finanziert.) Wissen und Fakten vorzuenthalten. Diese Fakten sind jedoch im Zusammenhang betrachtet in meiner Meinungsbildung wesentlich und entscheidend. Ich glaube, so etwas hatten wir auch schon mal in der Geschichte, leider konnte man damals nicht einfach die Zeitung wechseln. Also ich für meinen Teil hab mir meine Meinung sowohl bezüglich der LSR und den damit in Verbindung stehenden Umweltskandal, als auch in Richtung lokale Presse im Eichsfeld gebildet. Manchmal habe ich das Gefühl, man provoziert mit dem Thema ins Fernsehen zu kommen. Vielleicht kommt es auf einen Versuch an und man sollte nicht nur die Kollegen vom Spiegel, Stern oder der privaten TV Sender informieren. Also, lasst es nicht so weit kommen und bedenkt: "Auch andere Zeitungen verschenken Prämien." und "Nach der Wahl ist vor der Wahl".

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6 Kommentare on Abgasmessung ohne Abgase? – LSR erneut im Visier

  1. Sandra sagt:

    Oh, jetzt kommt ja wieder Schwung in die Angelegenheit. Dachte schon Herr Kellner hat nen vernünftigen Filter eingebaut. Wie konnte ich nur denken…
    Bjochen was sagst du dazu ?

  2. Katja sagt:

    Wenn der Schornstein nicht mehr Qualmt…, vielleicht machen die ja nichts mehr da oben.

  3. Silvio Günther sagt:

    Ich mach mir Sorgen!!! Lebt denn der BJochen noch??? :-)

  4. Torsten sagt:

    Wisst Ihr eigentlich das LSR auch noch folgende Bedeutungen haben kann:

    Lesben- und Schwulenreferat,

    Liga der Sozialistischen Revolution,

    Luftschutzraum …

    Weitere Begriffsbedeutungen zu LSR unter http://de.wikipedia.org/wiki/LSR

  5. [...] Luftverschmutzung, dann angekündigte Messungen und nun sind die Gewässer dran. Aber an eins hat er ohne Probleme gedacht: Schnell beim [...]

  6. Ronny sagt:

    Da oben läuft so vieles schief …die betrügen und verarschen die Leute wo sie nur können ..

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